Tuesday, January 31, 2023
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Vier tödlichste Vorhersagen zu Putins Mobilmachung trafen alle ein

Russland hat 300.000 Männer zu den Waffen gerufen. Die meisten von ihnen sind schlecht ausgebildet, schlecht ausgerüstet und wurden viel zu schnell an die Front gebracht. Ein tödliches Unterfangen, das durch Putins Chaos entflammt wurde.

Was von Russland verkündet wurde

Am 21. September rief Wladimir Putin zur „Teilmobilmachung“ auf. 300.000 Soldaten sollten eingezogen werden. Verteidigungsminister Sergei Schoigu sprach davon, dass nur Männer zu den Waffen gerufen werden, die über Kampferfahrung verfügen. Und diese sollten die bestehenden Truppen verstärken.

Was Experten voraussagten

Schon kurz nach Putins Statement sagten zahlreiche internationale Experten voraus, dass dies unmöglich sei. Die Gründe:

  1. In Russland gebe es keine 300.000 Reservisten mit Kampferfahrung.
  2. Es sei nicht möglich, in den aktuellen Strukturen so viele Männer gescheit auszubilden. Es gebe zu wenig Ausrüstung, zu wenige Ausbilder.
  3. Der Einfluss der Mobilmachung auf den Krieg werde kurz- und langfristig sehr gering sein. Die neuen Rekruten würden höchstens Lücken füllen, aber nicht zu mehr Schlagkraft führen.
  4. Am wahrscheinlichsten sei es, dass die neuen Soldaten als „Kanonenfutter“ enden, so die einhellige Meinung.

Wie sich die Realität darstellt

Keine 300.000 Reservisten mit Kampferfahrung

Zu 1. Die Teilmobilmachung wurde für Putin zum Desaster. Hunderttausende Russen flohen vor der Einberufung ins Ausland. Die eifrigen Kommandeure in den Regionen zogen alle möglichen Menschen ein – Alte, Drogensüchtige, komplett Kampfunerfahrene. Die Russen bemerkten, dass die Versprechung, dass nur gediente Soldaten zu den Waffen gerufen würden, eine Farce war.

Rekrutierungsbüros brannten. Beamte wurden angegriffen. Auf einer Militärbasis kam es zu einer Massenschlägerei. Auf einer anderen zu einer Schießerei mit mehr als 10 Toten.

Strukturen, Ausrüstung und Ausbilder fehlen

Zu 2. Die Einschätzung bewahrheitete sich. Zumal Putin überhaupt kein Interesse zu haben scheint, die Kämpfer lange auszubilden. Schon wenige Tage nach Beginn der Mobilmachung erreichten laut dem „Institute for the Study of War“ (ISW) erste Einheiten die Front. Teilweise ohne Ausbildung, teilweise nur mit wenigen Tagen unkoordinierten Trainings. Und schon wenige Tage nach dem Eintreffen an der Front waren die ersten Rekruten tot.

Die „New York Times“ zitiert mehrere russische Soldaten, die nur elf Tage nach ihrer Einberufung an die Front gebracht wurden. Als er nach seiner Schieß-Ausbildung gefragt wird, sagt einer von ihnen: „Einmal. Drei Magazine.“ Der Kommandeur des Southern Military District, Mikhail Zusko, soll befohlen haben, dass die neuen Rekruten „sofort“ und „ohne Training“ an die Front geschickt werden. Er wurde später wegen der hohen Zahl an Toten unter seiner Führung verhaftet.

Zudem kommt die mangelnde Ausstattung der neuen Kämpfer. Viele von ihnen müssen für ihre Kleidung und Waffen selbst aufkommen. „Sie haben keine Maschinenpistolen, keine Kleidung, keine Schuhe“, sagte ein Beobachter aus Yekaterinburg der „New York Times.“ Eltern beschreiben, wie sie selbst ihren Kindern das Nötigste kaufen und zur Militärbaracke bringen.

Mobilmachung hat kaum Einfluss auf den Kriegsverlauf

Zu 3. Auch hier behielten die Experten recht. Auf dem Schlachtfeld ist kein Effekt der Mobilmachung auszumachen. Die ukrainische Gegenoffensive, die Anfang September begann, geht unverdrossen weiter. Den Russen gelingt es – wenn überhaupt – die defensiven Stellungen zu halten. Einzig die neu eingesetzten iranischen Kamikaze-Drohnen helfen den Russen, dagegenzuhalten.

Die Soldaten werden als „Kanonenfutter“ enden

Zu 4. Die neuen Rekruten werden tatsächlich häufig als Kanonenfutter verwendet. William Alberque vom International Institute for Strategic Studies sagt der „New York Times“: „Im besten Fall bekommen die Soldaten eine Basisausstattung. Im schlechtesten Fall gar nichts. Diese Soldaten sind wortwörtlich Kanonenfutter.“ Doch nicht nur Experten bestätigen dies. Auch Berichte aus dem Krieg legen das nahe.

So sagt ein Mann, der in ukrainische Gefangenschaft geriet: „Unser Kommandeur forderte uns auf, ganz nach vorne an die Front zu gehen. Er und andere Rekruten blieben 30, 40 Meter hinter uns. Als ich mich umschaute, sah ich, dass sie nicht sehr weit hinter uns waren. Sie wollten uns als Kanonenfutter einsetzen, um herauszufinden, wo die genaue Position des Feindes ist.“

Lesen Sie hier mehr dazu: Soldat der üblen Wagner-Gruppe enthüllt, wie es wirklich an der Front zugeht

Ein anderer neuer Rekrut schildert seiner Frau am Telefon die Lage: „Das stimmt. Hier gibt es kein Essen. Die, die kein Geld haben, essen die Getreidekeime vom Feld. […] Und sie haben uns Gefängnisinsassen geschickt. Die sind ganz vorne an der Front. Und wir sitzen dahinter. Wenn jemand von ihnen fliehen will, dann töten wir sie. […] Und hinter uns ist noch eine Linie. Wir können dorthin auch nicht zurück. Es ist unmöglich, wegzurennen. Deine eigenen Leute würden dich erschießen.“

Lesen Sie hier mehr dazu: „Wenn wir fliehen, erschießen uns die eigenen Leute“

Und selbst eine kriegsfanatische russische Militärbloggerin schreibt: „Das Resultat ist, dass Jungs ohne Ausbildung an die Front geworfen werden. Zinksärge kommen bereits zurück nach Tscheljabinsk, Jekaterinburg oder Moskau an. Ihr habt uns gesagt, sie würden eine Ausbildung bekommen. Dass sie erst nach Wochen an die Front kämen. Habt ihr schon wieder gelogen?”

Lesen Sie hier mehr dazu: „Manche russische Kommandeure sollte man erschießen“

Was die Russen selbst sagen

Selbst in Russland gab es mittlerweile ungewöhnliche Aussagen.

Wladimir Putin bestätigte, dass bereits 16.000 Rekruten an der Front seien (Anm. der Red.: Die wahre Zahl dürfte deutlich höher sein). Einige von ihnen hätten nur fünf bis zehn Tage Ausbildung erhalten. Das Training solle allerdings vor Ort weitergehen.

Eine Behörde in der Region Tscheljabinsk bestätigte vergangene Woche den Tod von neuen Rekruten. „Leider hat das Wehramt die Information über den Tod von fünf Einberufenen aus dem Südural bestätigt“, hieß es.

Wie tödlich die Mobilmachung ist

Bislang geht der Westen davon aus, dass in diesem Krieg 70.000 bis 80.000 russische Kämpfer ums Leben kamen. Russische Journalisten enthüllten zuletzt sogar die Zahl von 90.000 toten oder nicht mehr kampffähigen Soldaten. Und diese Zahlen beziehen sich größtenteils auf jene Einheiten, die vor der Mobilmachung kämpften. Also besser ausgebildete und teilweise deutlich motiviertere Soldaten.

Nun kommt ein Schwall von gar nicht oder schlecht ausgebildeten Rekruten ohne Kampferfahrung und ohne strategische Kenntnisse an die Front. Sie füllen Einheiten auf, die durch den Krieg stark dezimiert wurden. Sie müssen sich sofort einer ukrainischen Offensive stellen, die die Rückeroberung aller annektierten Gebiete zum Ziel hat. Selbst russische Militärblogger gehen davon aus, dass mindestens 10.000 der neuen Rekruten in den kommenden drei Monaten sterben und weitere 40.000 verwundet werden.

Quelle: Focus

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