Thursday, April 11, 2024
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Ein Jahr Vor Der EM: Wo Steht Die DFB-Elf?

In einem Jahr findet die Fußball-EM 2024 in Deutschland statt. Doch die Situation ist deutlich anders als vor dem WM-Turnier 2006, das als deutsches Sommermärchen in die Annalen einging.

Was sind die größten Baustellen? 

Das 3:3 gegen die Ukraine im 1000. Länderspiel der DFB-Geschichte offenbarte erneut die Baustellen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Hohe Fehlerquote, viele verlorene Zweikämpfe, hergeschenkte Tore. Die Mannschaft hat Schwierigkeiten sich zu finden, es fehlt an Selbstvertrauen.

Die größte Baustelle: die Abwehr. Die altbekannten Schwächen bestehen weiter, die Defensive wird von einfachem Konterfußball mit langen Bällen noch immer genauso überrumpelt wie schon bei der WM 2022 in Katar und im letzten Länderspiel gegen Belgien (2:3). Dabei leisten sich erstaunlich viele Spieler individuelle Fehler.

Doch nicht nur in der Defensive, sondern auch im Angriff hapert es weiterhin. Gegen die gut organisierte ukrainische Abwehr agierte die deutsche Mannschaft zu umständlich und schaffte es zu selten, klare Chancen herauszuspielen. Dazu fehlte es oft an der Effektivität im Abschluss.

Defensive und das Sturmzentrum sind nicht so stark besetzt wie bei anderen Top-Nationen. Doch selbst im Mittelfeld, das als hochqualitativ gilt, fehlen die Erfolgsmomente. Im Spiel gegen die Ukraine setzte Bundestrainer Hansi Flick im Mittelfeld zunächst auf Leon Goretzka, Joshua Kimmich und Julian Brandt, ohne dass sie für konstante Durchschlagkraft sorgen konnten.

Es scheint, als hätte Flick noch nicht sein System und die dazu passenden Spieler gefunden. Flick trägt dazu noch die Hypothek des Vorrunden-Aus bei der WM in Katar. Es fehlen der Mannschaft Struktur, Selbstbewusstsein und absoluter Siegeswille. Das überträgt sich auch auf das Publikum: Noch reißt die DFB-Elf mit diesen Leistungen niemanden emotional mit – ganz im Gegenteil.

Die Nationalmannschaft befindet sich also derzeit deutlich entfernt von der erweiterten Weltklasse und von einer EM-Euphorie im eigenen Land ist nichts zu spüren. “Fußball ist und bleibt ein Ergebnissport. Und wir müssen es schnellstmöglich schaffen, dass wir die Ergebnisse in den Griff bekommen”, sagt Kapitän Joshua Kimmich und betont: “Wir brauchen Siege.” 

Was läuft gut und lässt hoffen? 

Nach dem frühen WM-Aus in Katar hatte Hansi Flick angekündigt, personell einiges ändern zu wollen und er hat bereits einigen Neulingen die Chance gegeben, sich zu zeigen. Noch steht kein Gerüst, kaum jemand dürfte sich seines Platzes sicher sein. Das Gute dran: Flick bleibt noch ein ganzes Jahr lang Zeit, an seinem System zu schrauben und die richtigen Spieler dafür zu finden. 

Als kleiner Lichtblick gilt Niclas Füllkrug, der in seinen Länderspieleinsätzen konstant gute Leistungen zeigt und regelmäßig Tore erzielt. Mit seinem Treffer gegen die Ukraine zählt er nun zu einer exklusiven Gruppe von Nationalspielern, die in fünf aufeinanderfolgenden Länderspielen ein Tor geschossen haben. Trifft er im kommenden Spiel gegen Polen, wäre er der erste deutsche Nationalspieler, dem das in sechs aufeinanderfolgenden Spielen gelingt.

Auch die jungen Talente um Jamal Musiala und den nach seiner schweren Knieverletzung wieder genesenen Florian Wirtz machen Hoffnung auf Besserung. Und während die Bayern-Spieler sich noch von einer ernüchternden Saison erholen und die BVB-Abteilung die verpatzte Meisterschaft verdauen muss, sorgt mit Ilkay Gündogan als frisch gebackener Champions-League-Sieger immerhin einer für das nötige Selbstbewusstsein.

Das sagen die Verantwortlichen

Bundestrainer Hansi Flick zeigte sich ein Jahr vor der Heim-EM angesichts der miesen Stimmung rund um die Nationalmannschaft angeschlagen. Dennoch will er an seinem Plan weiter festhalten. “Das sind Automatismen, die Spiele und Training brauchen, daran werden wir arbeiten. Wir haben wenige Spieler, die mit wahnsinnigem Selbstvertrauen angekommen sind.” 

Er zieht aktuell sogar Parallelen zur WM 2006, die ebenfalls in Deutschland stattgefunden hat: “2006 im März hat man 1:4 in Italien verloren, es herrschte eine wahnsinnig negative Stimmung. Trotzdem wurde es ein Sommermärchen.”  

Unterstützung erhielt Flick vonDFB-Sportdirektor Rudi Völler. “Bis zur EM im eigenen Land ist noch ein Jahr Zeit, und es ist absolut richtig, dass Hansi Flick sie nutzt, um auch etwas auszuprobieren”, sagte Völler. “Unabhängig vom System ist das Wichtigste: Wir müssen kompromissloser und fokussierter sein in den Zweikämpfen.”

Das ist der Fahrplan bis zur EM

Zwei Testspiele stehen noch im Juni an, drei sind für September und Oktober geplant. Die deutsche Auswahl hat nach dem Ukraine-Spiel nur eine kurze Pause, dann gibt es einen echten Härtetest: In Warschau trifft die DFB-Elf am Freitag (16. Juni, Anstoß 20:45 Uhr MESZ) auf Polen. Vier Tage später empfängt Deutschland in Gelsenkirchen Kolumbien (20. Juni, Anstoß 20.45 Uhr MESZ) und schließt damit die Saison ab.

Am 9. September trifft die DFB-Auswahl in Wolfsburg auf Japan und drei Tage später am 12. September in Dortmund auf Vizeweltmeister Frankreich. Am 14. Oktober steht in Hartford/Connecticut ein Gastspiel in den USA an.

Bisher hat der DFB noch kein EM-Quartier bekannt gegeben. Im “Katalog für Team Base Camps” steht eine Fülle von Optionen zur Verfügung.

Nach Abschluss der Qualifikationsphase im November 2023 werden 21 der 24 Teilnehmer der EM 2024 feststehen. Die letzten drei Teilnehmer werden durch Play-offs im März 2024 ermittelt. Die Auslosung der EM-Gruppenphase findet am 2. Dezember 2023 statt. Deutschland ist als Gastgeber direkt qualifiziert und in Gruppe A gesetzt. Die DFB-Elf spielt die drei Partien der Vorrunde in München (Eröffnungsspiel, 14. Juni 2024), Stuttgart (19. Juni) und Frankfurt (23. Juni).

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